Handelspartner des Monats
ATELIER LILA / Indien
Fairer Handel heißt, sich gut kennen. Jeden Monat rücken wir daher eine, von unseren vielen Handelsparterschaften in den Fokus. Denn hinter jedem Produkt stehen Menschen, mit ihren Geschichten. Wir machen sie sichtbar und zeigen Dir, wer Deine fairen Produkte fertigt.
Schals & Wolldecken aus Fairem Handel
Verlässlicher Partner seit über 20 Jahren
Im Jahr 2000 gründete die deutsche Textildesignerin Petra Lienau (genannt „Lina“) gemeinsam mit ihrem Mann Serge die Werkstatt LILA CRAFT. Dieser kleine Textilbetrieb mit Sitz in Neu-Delhi beschäftigte damals acht Mitarbeiter und war zunächst auf aufwändig bestickte Kleidung und Accessoires im Patchworkdesign spezialisiert. Durch vielfältige Kontakte zu Webereien und Partnerwerkstätten erweiterte sich ihr Arbeitsbereich auf hand- und maschinengewebte Naturtextilien. 2014 standen umfangreiche Umstrukturierungen in der Arbeitsorganisation an, und damit einhergehend die Verkleinerung des Betriebs: LILA CRAFT wollte sich mehr auf die Entwicklung von neuen Produkten und Designs, Zusammenstellen von Kollektionen, Qualitätskontrolle und den Versand/Export fokussieren. Die Näharbeiten wurden an assoziierte Betriebe im Umkreis Neu-Delhis ausgelagert. 2019 fand die Umfirmierung in ATELIER LILA und weitere Veränderungen statt. Ihr kleiner Nähbetrieb wurde aufgelöst und das Büro dient heute zur Koordinierung der Arbeitsabläufe in Indien. Marketing und Vertrieb der selbst entworfenen Textilsortimente erfolgt über ATELIER LILA in Frankreich.
Für CONTIGO stellt Lina Lienau die jährlichen Kollektionen zusammen, koordiniert die Produktion mit ihren assoziierten Werkstätten und nimmt die fertigen Aufträge ab. Dazu ist sie mit ihrem Mann Serge regelmäßig mehrere Monate vor Ort. Seit 2004 besteht zwischen CONTIGO und ATELIER LILA eine sehr produktive und vertrauensvolle Partnerschaft. Bis heute schätzt CONTIGO die fundierten Erfahrungen von Lina und Serge im Textilhandwerk, im Besonderen die Entwicklung von modischen Designs. Durch Linas Kenntnisse der indischen Sprache, Kultur, Textiltechniken und sozialen Strukturen kann CONTIGO mit verschiedenen Produktionsbetrieben zusammenarbeiten. Ohne ihre Mitarbeit wäre eine Zusammenarbeit mit den verschiedenen Stufen der Produktion für CONTIGO nicht möglich.
CONTIGOs Einkaufsteam hat ATELIER LILA und die produzierenden Werkstätten in Indien besucht. Auch fanden regelmäßig Treffen in der CONTIGO-Zentrale in Göttingen statt, bei denen vor allem gemeinsam neue Sortimente und zukünftige Entwicklungen geplant werden.
Das große Sortiment an Seiden- und Wollschals, sowie die Wolldecken werden in spezialisierten Betrieben in Noida (westliche Vorstadt von Neu-Delhi im Bundesstaat Uttar Pradesh) produziert. Hier konnte CONTIGO bei seinen Besuchen erfahrene Mitarbeiter, die nötige Ausstattung und vorbildliche Sicherheitsvorkehrungen vorfinden. Auch verfügt die Produktionsstätte über eine eigene Kläranlage. Zur Kontrolle der Arbeits- und Betriebsbedingungen finden jährliche Audits durch die zuständige Gewerbeaufsicht statt. Dabei werden alle gesetzlich vorgeschriebenen Sozialleistungen erfüllt. Dazu gehören unter anderem die Kranken- und Rentenversicherung sowie die gesetzlich geregelten Urlaubsansprüche.
Philippe Raguin erzählt, was ihm wichtig ist:
„Seit 2019 leben wir mit unseren Kindern und Mitarbeitern auf unserem Hof im Einklang mit der Natur. Unser Leben ist einfach und bäuerlich, wir verlassen selten unser Land und schützen durch die Abgeschiedenheit auch die Vögel und Tiere, die es hier in Mengen gibt. Von Zeit zu Zeit kommen uns Freunde besuchen, die immer Schwierigkeiten haben, unser kleines Paradies wieder zu verlassen. Wir haben keinen Fernseher und eine andere Sicht auf die Welt durch unsere Erfahrungen. Für Kinder und Erwachsene haben wir viele Aktivitäten: Radfahren, Trampolin, Ballspiele, ein Schwimmbad und eine Bibliothek. Wir bieten Computerkurse und eine Bio- Pflanzwerkstatt und vieles mehr. Autonomie hat einen sehr hohen Preis, den man "Arbeit" nennt, weil es viel komplizierter ist, alles selbst zu produzieren als es zu kaufen. Man hat nie eine Pause, Wochenende gibt es kaum, das Leben ist ein permanentes Lernen, ohne dass es dafür einen Abschluss gibt. Persönliche Zufriedenheit ist die beste Auszeichnung, die das Leben einem geben kann und schließlich, bei guter Gesundheit zu leben, ohne einen Arzt oder ein Krankenhaus zu brauchen, ist ein gigantischer Gewinn im Vergleich zu dem, was die Welt uns heute gerne aufzwingen würde."
Fairer Handel bei SANTIR SILPA
SANTIR SILPA hat sich nicht nur zum Ausschluss von Kinderarbeit und Diskriminierung verpflichtet, sondern zahlt auch einen für die Region (den Distrikt North 24 Parganas) überdurchschnittlichen Lohn. Dieser wird jeden Monat auf das eigene Bankkonto überwiesen. Weitere Leistungen sind Bonuszahlungen zu wichtigen religiösen Feiertagen, eine Kranken- und Unfallversicherung, welche zu 100% vom Arbeitgeber finanziert werden, sowie 30 bezahlte Urlaubstage im Jahr für alle Mitarbeiter. Für die finanzielle Unterstützung der Beschäftigten bei Familienangelegenheiten, wie Hochzeiten, Geburt und Trauerfälle, wurde ein Sozialfonds eingerichtet. Hier können Mitarbeiter zins-/ kostenfreie Darlehen beantragen. In Monsunzeiten (Juni – August) kann bei SANTIR SILPA gar nicht, bzw. nur eingeschränkt produziert werden. Die Schneider tüfteln dann an neuen Modellen, Prägemustern und Designs und werden so fortwährend bezahlt.
Portrait
Sultan Ansari
Der langjährige Mitarbeiter Sultan wurde bei ATELIER LILA in der maschinellen Stickerei angelernt. Durch seine hohe Motivation und Loyalität hat sich Sultan zum Assistenten der Geschäftsführung und damit zur„rechten Hand“ von Lina und Serge hochgearbeitet. Die neuen Aufgaben, besonders auch am Computer, machen ihm Spaß und er konnte dadurch etwas Englisch lernen.
Mit seiner Frau Amnui Nesha hat Sultan drei Töchter und einen Sohn. Sie leben mit seiner verwitweten Mutter auf dem Dorf in Uttar Pradesh. Er selbst hat ein kleines Zimmer in Delhi. Auf dem Dorf hat er mit seiner Frau einen eigenen Laden für Bekleidung angemietet. Serge und Lina haben sie dabei mit einem Businessplan und einem Gründungszuschuss unterstützt. Seine Frau arbeitet im Laden und Sultan möchte, so lange es geht, bei ATELIER LILA weiterarbeiten, denn die beiden möchten allen ihren Kindern eine gute Schulbildung ermöglichen.
Während der mehrtägigen Aufbereitung werden die angelieferten Häute gereinigt, enthaart und getrocknet. Anschließend werden sie mit pflanzlichen Gerbstoffen wie Mimosa- , Quebracho- oder Kastanienextrakten gegerbt. Je nach eingesetztem Gerbstoff und Prozess entsteht dabei eine helle Lederhaut, die sogenannte „Wet White“. Die Lederprodukte werden ohne den Einsatz von Chromsalzen als Gerbstoff hergestellt. Nach vorliegenden Prüfberichten sind die Leder frei von Pentachlorphenol (PCP), verbotenen AZO-Farbstoffen und nachweisbarem Chrom VI. Die Lederhaut-Oberfläche wird nicht durch eine deckende, geschlossene Beschichtung versiegelt. Dadurch bleibt die natürliche Struktur des Leders sichtbar. Die offenporige Oberfläche ist empfindlicher gegenüber äußeren Einflüssen und kann mit der Zeit individuelle Gebrauchsspuren und eine Patina entwickeln.
Pflanzlich gegerbtes Leder ist aufgrund des Herstellungsverfahrens und der Auswahl der dafür geeigneten Häute mit einem höheren Herstellungsaufwand verbunden. Zu den Faktoren gehören insbesondere:
• die Auswahl geeigneter Häute mit möglichst wenigen Fehlern und Verletzungen,
• der Einsatz größerer Mengen pflanzlicher Gerbstoffe und der damit verbundene Prozessaufwand,
• ein längerer Aufbereitungs- und Gerbprozess,
• Veränderungen der Lederfläche während des Gerbprozesses,
• die Notwendigkeit einer auf den jeweiligen Produktionsprozess abgestimmten Verarbeitung und Lagerung der Häute.
Die pflanzlich gegerbten Häute werden zu Taschen, Rucksäcken und Accessoires verarbeitet. Als Futterstoff wird Bio-Baumwolle verwendet. Bei der Canvas-Linie wird pflanzlich gegerbtes Ziegenleder mit Bio-Baumwollcanvas kombiniert. Für die Verpackung werden wiederverwendbare Stoffbeutel und recycelbares Papier verwendet.
Was bedeutet „vegetabile Gerbung“?
Die Lederhaut wird im Gegensatz zur mineralischen, herkömmlichen Methode auf rein pflanzlicher Basis gegerbt. Dabei kommen natürliche, pflanzliche Gerbstoffe, wie Mimosa, Walnuss und Quebracho zum Einsatz. Mimosa wird aus der Rinde von Akazienbäumen (vor allem der Gerberakazie) gewonnen und für die vegetabile Herstellung von Leder und Fellen eingesetzt. Quebracho-Extrakt ist ein pflanzlicher Auszug aus dem harten Kernholz oder der Rinde des südamerikanischen Quebracho-Baumes, der ebenfalls besonders reich an natürlichen Gerbstoffen (Tanninen) ist, schnell in die Tierhaut einzieht und sie haltbar macht.
Woher kommen die Häute für das Leder?
Für das Sortiment werden Häute von höchster Qualität benötigt. Diese sind in Indien nur auf dem Land zu finden, wo die Tiere genug Auslauf und Nahrung bekommen. Daher bezieht FEATHER TOUCH die Häute direkt von den Bauern aus den umliegenden Dörfern.
Schals und Wolldecken von Atelier Lila