Chaot und Anarchist ist auch, wer Skandale mit immer volleren Taschen übersteht. Elmar Kupke

Unser Partner

Die Geschichte  von All Women Recycling

ALL WOMEN RECYCLING wurde 2009 von der Engländerin Lynn Worsley in Kapstadt gegründet. Lynn sammelte ihre ersten Erfahrungen in der Berufswelt als Schauspielerin und Theaterdozentin, bevor sie ein Geschäft für Baby-Hygieneprodukte eröffnete.

Doch schlussendlich machte sie sich in einem anderen Bereich selbstständig: Ihre Interessen für Upcycling und Nachhaltigkeit brachten sie auf die Idee, einen Betrieb zu gründen, der nicht nur einen positiven Einfluss auf die Umwelt hat, sondern darüber hinaus Frauen stärkt, die kaum Beschäftigungsmöglichkeiten haben.

2009 eröffnete sie ihr Unternehmen ALL WOMEN RECYCLING, in dem sie acht Frauen aus den Townships Langa, Gugulethu, Khavelitsha und Philippi beschäftigte. Aus diesem Projekt wurde die Kliketyklikbox (seit 2012 registrierter Markenname) geboren. Das Konzept, Plastikflaschen von Mülldeponien aufzukaufen und sie zu stylischen, umweltfreundlichen Geschenkboxen zu verarbeiten, wurde ein großer Erfolg. Mit CONTIGO startete sie 2010 den Export nach Deutschland. Mittlerweile hat Lynn das Sortiment um weitere Upcycling-Geschenkartikel erweitert und bekommt Aufträge aus der ganzen Welt.

Dank des nachhaltigen Unternehmenskonzepts erhielt ALL WOMEN RECYCLING zahlreiche Nominierungen (z.B. durch die Handelskammer Kapstadts als bester Exporteur) und Auszeichnungen (z.B. SEED-Award, eine internationale Auszeichnung für Betriebe und Initiativen mit nachhaltigen Unternehmenskonzepten).

Ein soziales Unternehmen

Für ALL WOMEN RECYCLING sind Upcycling und „Women Empowerment“ gleichwertige Ziele. Alle ihre Mitarbeiterinnen kommen aus den Townships, haben geringe Bildungschancen, viele sind Immigrantinnen und alleinerziehende Mütter. Lynn ist es wichtig, ihnen nicht nur einen Arbeitsplatz zu schaffen, sondern sich weiter zu entwickeln. Sie ermutigt sie, sich selbstständig zu machen und aus dem Kreislauf der Armut aus eigener Kraft auszubrechen. Lynn unterstützt sie dabei in betriebswirtschaftlichen und organisatorischen Belangen, z.B. Erstellung eines Businessplans und Preiskalkulation. Der Erfolg ist messbar: Bislang konnten sich 27 ehemalige Mitarbeiterinnen mit kleinen Start-Up-Unternehmen auf eigene Beine stellen. Dazu gehört Cindy Magsun die das Management als Schneiderin unterstützt, indem sie die Arbeitskleidung der Mitarbeiterinnen näht.

Lynn will den Frauen aber auch Lebenskompetenzen vermitteln, wie selbstbewusstes Auftreten und Persönlichkeitsentwicklung. Sie organisiert Kurse mit externen Experten zu HIV-Vorsorge, Hygienebelangen, Ernährungsberatung und Selbstverteidigungstraining.

faire arbeitsbedingungen

Bis Ende 2020 wurden 13 Frauen beschäftigt, 3 Frauen gehörten zum Management: Geschäftsführerin Lynn Worsley, Francine Wayi Wayi Abteilungsleitung für die Produktion. Ilhaam Administration und Stellvertreterin von Lynn. In der Werkstatt am Rande von Kapstadt arbeitete das Team in einer entspannten Arbeitsatmosphäre und einer sauberen Umgebung.

Gearbeitet wurde an fünf Tagen pro Woche, täglich sieben Stunden von 9-16 Uhr. Sie erhielten unabhängig von der Auftragslage einen festen Tageslohn, der wöchentlich auf die eigenen Konten der überwiesen wurde. Das eigene Konto bedeutet finanzielle Eigenständigkeit für die Frauen. Alle gesetzlichen Sozialleistungen (3 Wochen bezahlter Sommerurlaub, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und während des Mutterschutzes sowie Beitragszahlung in die gesetzliche Arbeitslosenversicherung UIF) waren gewährleistet. Zusätzlich konnten die Frauen kleine Darlehen für familiäre Vorhaben oder Notfälle erhalten

Portrait Ntombi Ntintelo

 

Ntombi Ntintelo musste ein Jahr vor ihrem Abschluss die Schule abbrechen, da sie mit ihrem ersten Kind schwanger war.

Alleinerziehend hatte sie nun für ihren Sohn zu sorgen. Daher zog sie zu ihrer Schwester in das Township Philippi nach Kapstadt.

Hier arbeitete sie zunächst als Reinigungskraft in einem Supermarkt bis sie davon hörte, dass das noch junge Unternehmen ALL WOMEN RECYCLING Mitarbeiterinnen sucht. Nach einem Kennenlernen startete sie dort und ist bis heute dabei geblieben.

Inzwischen lebt Ntombi in einer Partnerschaft und ist zweifache Mutter. Sie arbeitet gern bei ALL WOMEN RECYCLING, weil die Aufgaben dort herausfordernd sind und sie davon begeistert ist, durch die internationalen Kunden über fremde Kulturen und Orte zu lernen.

Ihre Offenheit und Lernbereitschaft zeigt sich auch in der Absolvierung eines Erste-Hilfe-Kurses. Wenn sie ihren fehlenden Schulabschluss noch nachholt, kann sie vielleicht auch noch ihren Lebenstraum, Krankenschwester zu werden, weiter verfolgen.

All Women Recycling und Corona

Mit dem ersten Lockdown im März 2020 wurde die Werkstatt geschlossen und die Fertigung in Heimarbeit verlagert. Es gab Schwierigkeiten bei der Materialbeschaffung, da Schulen und Recyclinghöfe geschlossen und kein Rohmaterialen in Form von PET Flaschen verfügbar waren. Das Nähen von Gesichtsmasken wurde zu einer alternativen Einkommensquelle. Die größte Schwierigkeit stellte der ausbleibende Tourismus dar. Der gesamte Inlandsmarkt vom ALL WOMEN RECYCLING brach zusammen.

Die Zeit bis Oktober 2020 überbrückte die Gründerin Lynn noch mit privaten Mitteln, danach konnte der Betrieb nicht mehr aufrecht erhalten werden. Die Mitarbeiterinnen profitierten jetzt von ihren eigenen kleinen Gewerben, als Bäckerin, Näherin, Händlerinnen.

Als ab Februar 2021 wieder Aufträge für den Export eintrafen, konnte mit 6 Frauen in Heimarbeit und auf Basis von Stücklöhnen weitergearbeitet werden. Die PET Flaschen werden bei einer Koordinatorin gereinigt, die Materialien für die einzelnen Heimarbeiterinnen vorbereitet und angeliefert. Einmal wöchentlich werden fertige Aufträge eingesammelt. In einem provisorisch angemieteten Gewerberaum erfolgen die Qualitätskontrolle und das Verpacken.

Noch ist ungewiss, ob ALL WOMEN RECYCLING wieder zu der früheren Form mit einer zentralen Werkstatt zurückkehren kann.

Lynn versucht nun in ihrer alten Heimat in England einen eigenen Vertrieb für ihre Recyclingprodukte aufzubauen, so dass auch während der Pandemie in Südafrika weitergearbeitet werden kann.

Ausführliche Informationen zu unserem Handelspartner All Women Recycling aus Südafrika finden Sie in der CONTIGO Fairtrade Datenbank, die Infothek.

Vor Ort

Produkte

Das Sortiment von All Women Recycling

Seit 2010 vertreibt CONTIGO die Klikboxen aus recycelten Plastikflaschen (PET-Flaschen) aus Südafrika.

Die Klikboxen sind Geschenkboxen, die aus recycelten PET Getränkeflaschen hergestellt werden. Diese werden zunächst aufgeschnitten und gewaschen. Dann, um einen funktionierenden Verschluss zu sichern, wird eine besondere Schneidetechnik angewendet. Es folgt das Dekorieren durch Aufkleben von bunten Papierservietten das Verzieren mit Perlen, das Lackieren und das Trocknen.

Aber die Boxen sind nicht nur praktisch und sehen schick aus, sie haben einen großen Nutzen für die Umwelt. Allein in der ersten Hälfte des Jahres 2016 wurden über 500.000 Flaschen verarbeitet und damit ca. 117.000 kg CO² bei der Verbrennung auf Mülldeponien gespart.

Nicht nur die Flaschenböden werden weiterverarbeitet. Aus den Mittelpartien der Flaschen entstehen Grußkarten oder Sichthüllen. Die Plastikdeckel werden geschreddert und weiterverkauft. Diese Einkünfte werden zur Anschaffung von Rollstühlen für Behinderte verwendet oder an bedürftige Kinder weitergegeben. Somit findet eine vollständige Nutzung der Flaschen statt.

Die Klikboxen und die iPETS werden gerne als originelle Geschenkverpackung oder zur Aufbewahrung von Kleinigkeiten verwendet und sind in vielen Designs erhältlich.

klikbox

Das Komplettsortiment von unserem Handelspartner All Women Recycling aus Südafrika finden Sie in unserem Online-Shop.

nach oben